Aus Schleswig-Holstein bis nach Mittelthüringen: Von einer AfD-Fürstin, ihrem kruden E-Mail-Verteiler, „Migrantenschreck-Waffen“ und einer enttäuschten Ex-Partnerin

Aufruhr im Kieler Parlament Anfang Dezember 2018. Thema: Die AfD und ihre Verbindungen ins neonazistische Milieu. Genauer gesagt: Doris von Sayn-Wittgenstein.

Doris von Sayn-Wittgenstein

Niemand Geringeres als die Landesvorsitzende der schleswig-holsteinischen AfD. Die Spur führt bis ins „Grüne Herz“ Deutschlands, nach Thüringen. Sie soll in enger Verbindung mit dem rechtsradikalen Verein „Gedächtnisstätte e.V.“ in Guthmannshausen stehen. Eine Mitgliedschaft besitze sie nicht, lediglich geworben für den Verein hätte sie. Die Konsequenz: Rauswurf aus ihrer Landtagsfraktion. (Quelle 1) Dass es eben jene „Gedächtnisstätte“ auf die AfD-Liste der Vereinigungen, zu denen keine Verbindungen herrschen dürfen, geschafft hat, spricht bereits Bände über den „Gedächtnisverein“. (Quelle 2) Der Skandal legte sich wie so oft nach ein paar Tagen. Doch während Sayn-Wittgenstein sich weiterhin als Opfer inszeniert, tauchten neue Belege ihrer rechtsradikalen Verbindungen auf. Genauer gesagt ihr E-Mail-Verteiler. (Quelle 3)

Wir wollen die Gelegenheit nutzen, aufzuzeigen für welche Positionen und Personen Sayn-Wittgenstein geworben hat und uns spezifisch mit dem Verein „Gedächtnisstätte e.V.“ auseinandersetzen.

Die Neonazi-Fürstin: Sayn-Wittgenstein und ihr rechtsradikaler E-Mail-Verteiler

Mit einer Menge Pathos, Selbstgefälligkeit und Freude an Falschinformationen eröffnet Sayn-Wittgenstein ihren E-Mail-Verteiler:

Liebe Mitstreiter! Einigkeit macht stark und mit falschen Nachrichten kann man eine Demokratie gut manipulieren. Aus vertrauenswürdiger Quelle habe ich Ihre E-Post-Anschriften erhalten. Ich verteile täglich mehrere Meldungen, die ich von nah und fern erhalte, weil unsere Qualitätspresse uns bestimmte Informationen vorenthalten möchte.“ (Quelle 3)

Ehrlich ist sie wenigstens mit ihrem Betätigungsfeld. Das Weiterleiten von Mails wird zu ihrer Hauptaufgabe. Darin ruft sie vor allem zur Teilnahme an Veranstaltungen, Demos, Info-veranstaltungen und „SS-Heldengedenken“ auf. Letztlich entpuppt sich ihr Verteiler als Sammelbecken von aktiven Neonazis und rechten Akteur*Innen, die vor allem mit der Planung und Durchführung rechter Bildungsveranstaltungen in Ercheinung treten. Sayn-Wittgenstein bündelt Veranstaltungen für das neurechte Bildungsbürgertum, informiert aber auch über neonazistische Szeneveranstaltungen.

„Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“

In einer Mail teilte sie Inhalte und Veranstaltungen der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“. (Quelle 4) Die Vereinigung ist der Nachfolger der „Jungen Landsmannschaft Ostpreußen“ (Quelle 5), die sich mehr mit neonazistischen Aktivitäten beschäftige, als mit rechten Bildungsveranstaltungen. Anfänglich als Zusammenhang von „Bekenntnis-Vertriebenen“ konstituiert, trat die „Junge Landsmannschaft Ostpreußen“ als Anmelder des revisionistischen „Trauermarsches“ am 13. Februar in Dresden auf. In diesem Zeitraum schaffte sie es, trotz geringer personellen Ressourcen, als Multiplikator in der Neonazi-Szene aufzutreten. Nach mehreren antifaschistischen Interventionen hat sich der Erfolg eingestellt und der Februar in Dresden kann nicht mehr an zurückliegende Mobilisierungs- und Straßenerfolge anknüpfen.

Heute tritt die „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“ vor allem als rechte Bildungsgruppe auf. So organisiert sie Bildungsfahrten, Seminare und präsentiert sich als familiärer, elitärer Kreis. Neben geschichtsrevisionistischen Positionen zum Nationalsozialismus liegt der Fokus auf der Vermittlung traditioneller Familienbilder, in denen der Mann als Familienoberhaupt auftritt, während sich die Frau nach dem Vorbild der nationalsozialistischen Ideologie als „Erhalterin des Volkes“ um die Kinder und die Hausarbeit kümmern soll. Des Weiteren lassen sich immer starke Naturbezüge finden. Preußen wird durchweg als deutsches Gebiet angesehen, welches nach dem 2. Weltkrieg im Zuge der Kapitulation „entwurzelt“ wurde.

NPD-Verbindungen

Sayn-Wittgenstein sucht darüber hinaus die Nähe zur NPD. Sie bewirbt die „Patriotischen Stammtische“ des NPD-Aktivisten Jürgen Schützinger in Baden-Württemberg.

Jürgen Schützinger

Der Schwemminger Neonazi war bis 1982 Polizist, wurde dann aber aus dem Staatsdienst entlassen und ist heute als freier Handelskaufmann unterwegs. Über seine Aktivitäten könnt ihr euch unter https://autonome-antifa.org/?mot476 genauer informieren. Zuletzt veranstaltete Schützinger 2018 ein „patriotisches Sommerfestle“.

Verschwörungstheorien

Mit dem absolut sexiest-name-alive überzeugt das IGE. Das „Institut für politische Gehirnwäsche-Forschung und Befreiungs-Psychologie“ von Wolfgang R. Grunewald steht für die Erforschung und Erfassung der globalisierten Welt.

Wolfgang R. Grunewald

Das IGE hat „herausgefunden“, dass der Globalismus im Endeffekt die „Synthese aus Bankismus und internationalistischem Sozialismus“ ist. „Opfer“, dieser weltweiten Politik sind die „schaffenden und tribut-pflichtigen Bürger aller Nationen“. Das IGE und der Alleinunterhalter Grunewald inszenieren sich als wissenschaftliche Akademiker*Innen, die nur Fragen stellen wollen. Letztlich drucksen sie mit ihren Begrifflichkeiten um die Tatsache herum, dass sie den Kapitalismus als kommunistische Weltverschwörung zur Dezimierung der gesamten Bevölkerung ansehen, Hinterzimmer-Bankiers aus dem „Dark-State“ unsere Gedanken tanzen lassen und New-World-Order-Psychopathen deine Familie ermorden wollen.

„Gegründet“ wurde das Institut 2015. Die Hochphase der Verschwörungsideen ist in den letzten Jahren stark abgeflacht, trotzdem sind einige Idioten hängen geblieben. Vergessen werden darf dennoch nicht, dass es mit den „Reichsbürger*Innen“ gerade in Thüringen ein hochmilitarisiertes Klientel gibt. Basierend auf eben jenen Verschwörungstheorien greifen sie zu Waffen. Nicht wenige von Ihnen sind aktiv in neonazistische Strukturen eingebunden.

Vom „Institut“ bleibt wenig Erfolgreiches. Der Internetauftritt ist schlicht weg unterirdischer als unterirdisch. Absolut farbenüberladen, unverständlich und nicht nachvollziehbar wie der präsentierte Inhalt. Jeder „Artikel“ besteht aus 30 verschiedenen Farben und markierten Fettstufen. Pfeile sollen das Lesen vereinfachen. Für das IGE bedeutet dies, dass jeder Satz aus 5, jede Grafik aus 30 und jedes Anti-NWO-Psychologie-Plakat aus 70 Pfeilen bestehen muss. Bei IB-Aktivist*Innen würden sich die Nackenhaare hochstellen, angesichts so einer abstoßenden Onlinepräsenz. Das Einzige, was noch halbwegs als durchdacht gelten kann ist natürlich … der Onlineshop. Ansonsten ist das „Institut“ wenig spektakulär und besitzt kaum Relevanz.

An meine Schützenkollegen“

Bereits das Aufrufen zur Beteiligung an SS-Abenden zeigte Sayn-Wittgensteins Waffenfetisch. Sie bewirbt das „Totengedenken für die ermordeten Waffen-SS-Kameraden der Division Charlemagne“. Beim „Gedenken“ an die „33. Division“ soll vor allem die „Treue bis zum Ende“ „gewürdigt“ werden, in dem sie kurz vor der Kapitulation noch versuchten Berlin-Neukölln gegen die Rote Armee zu verteidigen. Mit wenig Erfolg.

Dass Sayn-Wittgenstein Militarismus feiert, verdeutlicht sie durch Werbung für den Kauf der „Migrantenschreck“-Waffen von Mario Rönsch. (Quelle 6)

Mario Rönsch

Er wurde wegen des Vertriebs zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. (Quelle 7) Rönsch hat sich sehr aktiv in die Erfurter Friedens- und Montagskundgebungen eingebracht. Nachdem die ersten Veranstaltungen noch sehr krude abliefen, wurde der rechte Drift immer sichtbarer. So wurden Elsässer und Co. eingeladen. Selten kamen mehr als 40 bis 50 Personen. Rönsch ist gut vernetzt in der Szene, zeigte keine Reue im Prozess und es ist sehr wahrscheinlich, dass er nach seiner Haftstrafe wieder präsent auftreten wird. Nicht auszuschließen bleibt, dass Sayn-Wittgenstein selbst auf der Suche nach eben jener Waffe war. Gekauft hat sie vermutlich keine. Mario Rönsch war Betreiber der Anonymus.Kollektiv-Seite. Leicht zu verwechseln mit der echten Anonymus-Seite, veröffentlichte er mehrmals täglich heftigste diskriminierende Inhalte, Verschwörungstheorien sowie unendlich viel Anti-Merkel-Content.

Ein rechter Bildungs- und Begegnungsort im Kreis Sömmerda: Die „Gedächtnisstätte“ Guthmannshausen

Neben all diesen Verstrickungen sticht regional die „Gedächtnisstätte“ heraus. (Quelle 8) Sayn-Wittgensteins Verbindungen zum Verein selber sind dabei mehr als nur das Weiterleiten von Mails. Im Gegenteil schätzt sie deren politische Arbeit enorm.

Knapp 25 Kilometer entfernt von Weimar liegt Guthmannshausen. Vorzeigeobjekt des Ortes ist ein ehemaliges Rittergut, welches lange in staatlicher Hand war.

„Gedächtnisstätte“ in Guthmannshausen

2011 wurde das ehemalige Herrenhaus vom Land Thüringen an die Heilpraktikerin Bettina Maria Wild-Binsteiner aus Sinntal verkauft. Offiziell soll die Landesregierung von den ideologischen Hintergründen Maria Wild-Binsteiners nichts gewusst haben. Interessant ist erstens, dass der Verein „Gedächtnisstätte e.V.“ unter dessen Name Wild-Binsteiner das Grundstück erwarb, bereits wegen anderer Verstrickungen vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Zweitens gilt der Verein behördlich seit 1992 (!) als rechtsextrem und die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck war die erste Vorsitzende.

Ursula Haverbeck

Aufgrund der ideologischen Umtriebe musste der Verein bereits 2009 eine Immobilie in Borna räumen. Entweder hat die Thüringer Landesregierung also dreist gelogen oder es fand sich in diesem bürokratischen Mammutprojekt keine Person, die bei einem Kaufvertrag eines Geländes von über 1000 Quadratmetern, zwei verschiedene Suchergebnisse bei Google eingeben konnte. Aber gut, dass heute jeder sozial-ökonomische Backgroundcheck bei Familie X funktioniert, wenn sie sich eine Wohnung mit knapp 50 Quadratmetern mieten will. (Quelle 9)

Noch im selben Jahr fand eine „Bildungsveranstaltung“ mit Ursula Haverbeck statt. (Quelle 10) 2018 gab es in Berlin, NRW und dem restlichen Bundesgebiet Solidaritätskundgebungen, Demos und Spendenveranstaltungen. Haverbeck gilt als die ideologische Ikone der Neonazi-Szene. Sie verbindet in sich den „Charme“ der deutschen Oma mit einer strikten Naziideologie. Bei nahezu jeder ihrer Veranstaltung, jedem Interview und jeder Nachfrage, relativiert beziehungsweise leugnet sie den Holocaust.

Personen und Tätigkeiten

Der heutige Vorsitzende der „Gedächtnisstätte“ ist Wolfram Schiedewitz.

Wolfgang Schiedewitz

Der Landschaftsarchitekt aus Seevetal besticht zum einen durch seine Aktivitäten in seiner eigenen Umgebung. Zusammen mit dem Buchholzer Neonazi Denny Reitzenstein von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide organisierte er mehrere Demos, die völlig nach hinten losgingen. (Quelle 11) Geplant als Anschluss an die bürgerlichen Kreise versammelten sich lediglich 21 Szene-Nazis um gegen die „Überfremdung“ zu wettern. Weitere Aktionen liefen ähnlich ernüchternd. Anklang findet jedoch sein wichtigstes Projekt im Landkreis Sömmerda. 2014 weihte die „Gedächtnisstätte“ unter seiner Führung ein neues „Denkmal“ ein.

Denkmal Guthmannshausen

Es soll ausschließlich deutschen Täter*Innen gedacht werden, weshalb die „Gedenkstätte“ mehrere steinerne Tafeln aufstellen lässt. Der 2. Weltkrieg soll als „Völkermord“ an den Deutschen dargestellt werden. Täter*Innen werden zu Opfern stilisiert und neonazistische Verbrechen legitimiert.

Schiedewitz zeichnet sich darüber hinaus als familiärer Tyrann aus. Seine ehemalige Partnerin packte 2012 über Schiedewitz aus. Nach der Scheidung sollen die Kinder im Landkreis Celle, in Hetendorf, gegen ihren Willen an Wehrsportübungen teilgenommen haben. (Quelle 12)

Schiedewitz Familie

Schiedewitz pflegt auch Kontakte zum Holocaustleugner Jürgen Rieger und zum rechtsradikalen Terrorist Manfred Roeder. Hier lebt Schiedewitz seine nationalsozialistische Gesinnung offen aus. Mit harter Hand zwingt er seine Familienmitglieder*Innen das Leben einer „völkischen“ Familie auf, ohne Rücksicht auf Verluste. Zum weiteren Vorstandskreis gehört Paul Latussek.

Paul Latussek

Er war lange Zeit führender Kopf der Vetriebenen. Durch sein Engagement rückte der Verbund immer weiter nach rechts und glich seine Positionen zunehmend einer nationalsozialistischen Gesinnung an. Die Relativierung und Leugnung des Holocausts wurde zunehmend Teil ihrer politischen Arbeit. Als „Öffentlichkeitsarbeit“ in Form einer Flyeraktion tat sich Latussek mit historischen „Beurteilungen“ wie der „willkürlichen Verschiebung der deutschen Ostgrenze an die Oder und Neiße“ hervor. (Quelle 13) Weiter heißt es, weil dies einen „Gebietsverlust des Gebietes des Deutschen Reiches“ bedeutet habe. Außerdem warf er Polen und Tschechien eine „Misshandlung von Kindern und Jugendlichen bei der Zwangspolonisierung und Zwangstschechisierung“ vor und schrieb vom „Völkermord an den ostdeutschen Stämmen“. Zu einer Verurteilung wegen Volksverhetzung führte die folgende 2001 getätigte Aussage: „In Auschwitz gab es offensichtlich keine 6 Millionen Opfer, sondern,wie ich in Polen erfahren habe, sind 930.000 nachgewiesen. Dabei geht es nicht um die Relativierung des Verbrechens, sondern um die geschichtliche Wahrheit.“

Zur neurechten Bildungselite gehört auch das ehemalige CDU-Mitglied Dr. Albrecht Jebens.

Albrecht Jebens

Jebens, Mitglied im Vorstand des Vereins, hatte auch die Idee zur Umwandlung in eine Stiftung. Als Referent für die wichtigste rechte Kulturvereinigung „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) trat Jebens auf Veranstaltungen mit Neonazis wie Frank Rennicke auf.

Veranstaltungen

Die „Gedächtnisstätte“ fällt durch zwei größere Veranstaltungstypen auf. Erstens rechte und rechtsradikale Bildungsveranstaltungen. Ziel ist es, die historische Betrachtung des Nationalsozialismus zu revidieren. Täter*Innen soll es kaum gegeben haben und wenn Hitler nicht gewesen wäre, wäre so etwas nie passiert. Viel schlimmer seien sowieso die „Gräueltaten“ der Allierten. In einem elitären Ambiente wird parteipolitisch unabhängig relativiert, wo es nur geht. Ausdruck dieser „Gedenkpolitik“ sind Seminare mit der geschichtsrevisionistischen Europäischen Aktion und ihrem Leiter Axel Schlimper, wie beispielsweise am 18.06.2016.

„Europäische Aktion“

Axel Schlimper

So versteht sich sich die „Gedächtnisstätte“ als Bezugspunkt von Holocaustleugner*Innen und Multiplikator geschichtsrevisionistischer Ideen. Ihre „Gedenkpolitik“ umfasst ebenso das Erinnern an Täter*Innen und ausschließlich deutsche Opfer, sowie den Vorstoß den Nationalsozialismus in Gänze zu relativieren. Neonazis und elitäre Neue Rechte kommen so zusammen. Zweitens dient sie als Ort für parteipolitische Feste, wie das “Sommerfest“ der NPD am 07.07.2018. Zu Gast war der Europaabgeordnete Udo Voigt. Somit erfüllt die „Gedächtnisstätte“ einen vernetzungstechnischen Auftrag neben „historischer Arbeit“ familiäre Lebensaspekte des „völkischen“ Lebens zu repräsentieren. Nicht selten dienen eben jene Treffen auch zur Absprache der militanten Neonaziszene, wobei dennoch die Großevents wie „Rock gegen Überfremdung“ den Mammutanteil dieser Vernetzungen und Waffenbeschaffungen darstellen. Zusammengeführt werden diese Veranstaltungen auf den jährlichen „Jubiläumstreffen“, an denen auch Neonazis wie Michel Fischer teilnehmen. (Quelle 14)

Abschließend wird nicht zuletzt durch die Machenschaften einer ranghohen (ehemaligen) AfD-Funktionärin die bundesweite Bedeutung der „Gedächtnisstätte“ Guthmannshausen deutlich. Die ohne große Hürden vom Staat erhaltene Immobilie versteht sich als geschichtsrevisionistischer Verein und bringt die Positionen der Höckes, Heises und Emmingers (langjähriger Weggefährte des NSU) zusammen.

Die Scheinheiligkeit der AfD im Umgang mit Nazis

Die AfD will öffentlich solchen „Verbindungen“ das Handwerk legen und für Parteiausschlüsse sorgen. Was sie nie verstanden hat und nie verstehen wird ist, dass diese Positionen längst in ihrer Mitte angekommen sind. Es sollte uns alle nicht mehr erschrecken, wenn solche Verbindungen auftauchen, viel mehr müssen wir sie als Selbstverständlichkeit einer rechtsradikalen Partei verstehen, deren Ziel die gesamtgesellschatfliche Konsensverschiebung bis zum Mord ist.

Die AfD gerät ins Wanken. Die in der Schwebe liegende Beobachtung durch den Verfassungsschutz soll abgewendet werden. Da macht es sich schlecht, wenn sich mehrere Mitglieder*Innen nicht nur nicht daran halten, sondern, so scheint es, extra dafür tätig werden. Nicht zuletzt durch Petr Bystron, der sich nicht schlau genug anstellte und so seine Rassisten-Rumballerei in Südafrika öffentlich wurde. (Quelle 15) Dennoch bleibt dieser Abgrenzungswahn in der AfD extrem scheinheilig. Politische Positionen kommen nicht über Nacht. Sie entstehen nicht im luftleeren Raum. Dementsprechend sagt es viel aus, dass eine Fraktion erst nach Jahren bemerkt mit wem sie da an einer Seite Politik machen. Dieser „Aus-allen-Wolken-Fallen“-Reflex zeigt über das rassistische Einzelbild auch die Akzeptanz der ganzen Partei. Vielmehr muss die AfD auch taktisch betrachtet werden. Sie steht vor einer entscheidenden Phase: Innerhalb kurzer Zeit sind ihre Umfragewerte enorm gestiegen. Bundesweit könnte dennoch eine Stagnation einsetzen. Gerade die mögliche Beobachtung durch den Verfassungsschutz, die täglichen Parteiskandale lassen sie nun als das wirken, was sie tatsächlich schon immer waren: Ein rassistischer und sozialchauvinistischer Haufen, der sich mit jedem Winkelzug an Machtpositionen klammert, während die Parteijugend ihre rechten Umtriebe auslebt und auf Bundesversammlungen besoffen hin- und hertaumelt. Dennoch müssen eben jene Umtriebe weiter aufgedeckt werden. Denn das Ziel der AfD bleibt die Machtübernahme zu Gunsten des Aufbaus eines autoritären Staates, dessen Hauptziel eine mörderische Politik gegenüber seinen Gegner*Innen ist. Unabhängig davon, dass auch der bürgerliche Staat schön große Schritte in diese Richtung unternimmt. Für dieses Ziel werden sie sich bürgerlich geben, wenn sie müssen. Sie werden weiter tief in die behördlichen Strukturen vordringen und an sensible Daten kommen. Nicht , weil sie es so gut machen, sondern weil die Zivilgesellschaft aus ihrem Schlaraffenland noch nicht aufgewacht und sie nicht bereit ist ihr Bild von der heilen, friedlichen, demokratischen Welt zugunsten einer (wenigstens) antifaschistischen, widerständigen Praxis aufzugeben.

reACT23 am 10. Januar 2019


Quelle 1: Rauswurf Sayn-Wittgenstein

http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/AfD-Landtagsfraktion-schliesst-Landeschefin-Sayn-Wittgenstein-aus

Quelle 2: Allgemeine Informationen zur „Gedächtnisstätte“

https://www.der-rechte-rand.de/archive/4028/gedaechtnisstaette-guthmannshausen/

Quelle 3: Sayn Wittgenstein und ihre Kontakte

https://www.taz.de/!5556671/

Quelle 4: Junge Landsmannschaft Ostdeutschland

https://www.belltower.news/die-junge-landsmannschaft-ostdeutschland-jlo-51094/

Quelle 5: Junge Landsmannschaft Ostpreußen

https://de.indymedia.org/2009/02/241165.shtml

Quelle 6: Mario Rönsch

http://derwaechter.net/wo-steckt-mario-roensch-der-betreiber-der-ueblen-fake-anonymous-seite-ist-wohl-untergetaucht

Quelle 7: Mario Rönsch Verurteilung

https://www.kraftfuttermischwerk.de/blogg/migrantenschreck-betreiber-mario-roensch-zu-haftstrafe-verurteilt/

Quelle 8: „Gedächtnisstätte e.V.“

https://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2012/07/03/braunes-netzwerk-im-thuringer-becken_8997

Quelle 9: Bettina Maria Wild-Binsteiner und Wolfram Schiedewitz

https://thueringenrechtsaussen.wordpress.com/2014/08/01/geschichtsrevisionischtes-denkmal-in-guthmannshausen/

Quelle 10: Ursula Haverbeck

https://www.youtube.com/watch?v=FfcoxBFpwQU

Quelle 11: Schiedewitz, Nazi-Aktivitäten in der Nordheide

https://buchholzblog.wordpress.com/tag/wolfram-schiedewitz/

Quelle 12: Familie Schiedewitz und Neonazikontakte

http://www.hiergeblieben.de/pages/textanzeige.php?id=34604Dass

Quelle 13: Latussek und den Bornaer Verstrickungen

http://www.kerstin-köditz.de/blog/wp-content/uploads/2008/11/die_revolution_in_deutschland_wird_von_borna_ausgehen.pdf

Quelle 14: Kurzbeitrag MDR „Jubiläumstreffen“

https://www.youtube.com/watch?v=MEpAi-xwuUA

Quelle 15: Petr Bystron: Schießübung in Südafrika

https://www.sueddeutsche.de/politik/afd-bystron-suedafrika-1.4260190

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